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Positive Signale für die Vereine

Sportdeputation, Senatorin und LSB sind sich einig, dass der Übungsbetrieb so schnell wie möglich beginnen muss


In der Sportdeputation herrschte am Dienstag große Einigkeit unter den digital Anwesenden. Darüber, dass die Existenzsorgen in den bremischen Sportvereinen immer größer werden. Und darüber, dass die Hilfen für die Klubs verstärkt werden müssen. Das beginnt bei der finanziellen Unterstützung – Stichwort: Soforthilfeprogramm – und endet keineswegs mit der hoffentlich baldigen Rückkehr der Aktiven auf die Plätze und in die Hallen. Denn nicht nur den aus der Politik kommenden Mitgliedern der Sportdeputation, sondern auch den Vertretern aus Vereinen und Verbänden, die der Konferenz als Gäste beiwohnten, ist klar: Die schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich in ihrem ganzen Ausmaß möglicherweise erst im Jahr 2022.

Der Präsident des Landessportbundes Bremen (LSB), Andreas Vroom, präsentierte während der digitalen Sitzung am Dienstag alarmierende Zahlen und besorgniserregende Ergebnisse einer LSB-Umfrage. Nicht alle, aber die meisten Vereine beklagen einen Mitgliederschwund. Und deutlich mehr Klubs als noch 2020 sehen ihre Existenz im Jahr 2021 als gefährdet an. „Eine Aufstockung der Soforthilfen vor allem für größere Vereine wäre wünschenswert“, sagte Vroom angesichts der Einnahmeausfälle, die einige Klubs verkraften müssten. Wegen der unterschiedlichen Größen und Bedingungen in den Vereinen sei eine allgemeingültige Bewertung der Daten zwar nicht möglich. Und weil noch nicht alle Vereine ihren aktuellen Mitgliederbestand gemeldet haben, seien die Zahlen auch nur geschätzt. Aber es deute sich an, dass der LSB zwischen 1. Januar 2020 und 1. Januar 2021 mehr als 8600 seiner 153.800 Mitglieder (5,63 Prozent) verloren hat.

Meentje Otto, Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Großvereins Bremen 1860, machte deutlich, dass „für unseren Verein die Förderung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist“. Die derzeitige Höchstförderung eines Klubs beträgt maximal 12.000 Euro, im Falle einer drohenden oder bereits eingetretenen Zahlungsunfähigkeit 25.000 Euro. Sportstaatsrat Jan Fries (Grüne), als Gast zugeschaltet, versprach, mit Vereinen einzeln über mögliche höhere Forderungen zu sprechen.

Es war nicht das einzige positive Zeichen, das die Politiker an diesem Nachmittag aussendeten. Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) kündigte an, noch in dieser Woche mit dem LSB zu beraten, was sie in der kommenden Woche in die Runde der deutschen Sportminister einbringen könne. „Wir wollen unsere Anstrengungen erhöhen“, erklärte sie. Sie werde sich dafür stark machen, dass – wie vom LSB gefordert – der Sportbetrieb in den Vereinen so schnell wie möglich wieder hochgefahren werden könne. Stahmann stellte auch in Aussicht, dass es eine gemeinsame Kampagne mit dem Deutschen Olympischen Sportbund zur Mitgliederwerbung geben könnte. Denn das Hauptproblem der Vereine sind nicht die Austritte an sich, die es zu allen Zeiten gegeben hat, sondern die fehlenden Neueintritte, weil die Klubs kein Angebot machen können.

„Das alles ist schwer auszuhalten“, sagte die Senatorin in Bezug auf die aktuelle „Phase des absoluten Stillstands“ im Sport. In der bevorstehenden Videokonferenz der Sportminister solle die Öffnung des Sports geplant werden – „gemeinsam“, wie Stahmann betonte. Das lässt einen Alleingang Bremens also nicht erwarten. Die Senatorin hofft aber auf einen abgestimmten Stufenplan und hat das Thema deshalb auch auf die Tagesordnung der kommenden Senatssitzung setzen lassen.

Der LSB-Präsident war mit seinem vorgestellten Stufenplan bereits in Vorleistung getreten. Geht es nach ihm, könne der Sport auf Außenanlagen unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsmaßnahmen sofort wieder hochgefahren werden. Ihr Verantwortungsbewusstsein hätten die Vereine während der Pandemie unter Beweis gestellt, auch Stahmann lobte den Sport wegen der bisher gezeigten Disziplin. „Vereine brauchen Planungssicherheit, um ihren Mitgliedern wieder eine Perspektive bieten zu können“, sagte Vroom und wies erneut darauf hin, dass die erzwungene mangelnde Bewegung junger und alter Menschen langfristige gesundheitliche Schäden hervorrufen könne – mit körperlichen und psychischen Folgen.

„Der Mensch muss in den Mittelpunkt gestellt werden“, sagte Deputationsmitglied Cindi Tuncel (Die Linke), „wenn er keinen Sport treiben kann, wird er auch krank.“ Anja Stahmann erinnerte daran, dass Corona sich auch dort auswirke, wo es eine Sportmöglichkeit gebe. Konkret sprach sie über Schwimmangebote für Kinder, die aus Angst der Eltern vor einer Ansteckung nicht in die Bäder geschickt werden.

Vielleicht gelingt es der Sportsenatorin mit Unterstützung des LSB-Präsidenten, ihre Ministerkollegen von einer sofortigen Lockerung im Sport zu überzeugen. Es dürfte, so der Eindruck, der Wunsch aller Teilnehmer an der Sportdeputationssitzung sein.

Quelle: Jörg Niemeyer
Weser-Kurier-Kurier, Seite 26, Ausgabe 17.02.2021
Bild: Bremen 1860 Cheerleading
 

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