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Vereinsleben

Eine neue Generation Gentlemen

Rugby: Enno Borchers, Tom Hill und Rasmus Süsens von Bremen 1860 haben es in die erweiterte U 16-Nationalauswahl geschafft

Vizemeister in der niedersächsischen U 16-Liga, Pokalsieg des größten deutschen Jugendturniers, dazu Einladungen für Lehrgänge mit dem U 16-Nationalteam – es läuft für den Rugbynachwuchs von Bremen 1860. Besonders die 15-jährigen Enno Borchers, Tom Hill und Rasmus Süsens stechen hervor. Seit gut drei Jahren spielen sie zusammen, haben in der U 12 begonnen, aber erst in der U 14 den Ehrgeiz entwickelt, mehr zu wollen, wie sie übereinstimmend erzählen.

Und mehr bekamen sie auch. Die U 14 von Bremen 1860 nimmt, inzwischen mit dem nächsten Jahrgang, in einer Spielgemeinschaft mit dem Hamburger Rugby-Club am Ligabetrieb teil, ebenso wie jetzt die U 16. Die Ligen sind allerdings recht klein. Mit den wenigen Mannschaften ist die Anzahl an Ligaspielen überschaubar. Die Jungs würden sich sehr über mehr Einsatzmöglichkeiten freuen, wie sie sagen. Die Möglichkeit bekamen sie im vergangenen Jahr, als ihnen ihre heimischen Trainer vom Ruf des U 16-Nationaltrainers Maxi Bonanno erzählten. „Ich musste den ganzen Tag nur lächeln“, erzählt Tom Hill. Die Bremer waren dem Coach bei ihrem Auftritt beim Sanssouci-Pokal an Pfingsten 2018 aufgefallen. In den Herbstferien hatten sie ihren ersten Lehrgang mit der nationalen U 16-Auswahl. In den ersten zwei oder drei Lehrgängen habe es schon ziemlich Konkurrenz unter den Jugendlichen gegeben; schließlich sind die Plätze im Kader begrenzt, erzählt der Schwachhauser Hill. Doch danach begann die Truppe mehr und mehr zusammenzuwachsen. Inzwischen begrüßen sie sich wie alte Freunde und besuchen sich teilweise in den Ferien gegenseitig. „Es ist im Rugby besonders wichtig, als Team zusammenzuspielen“, sagt Rasmus Süsens.

Teamgeist und Zusammenhalt seien es auch gewesen, die ihn nach seinem Probetraining im Rugby gehalten haben, erzählt Rasmus Süsens. Er spielte sechs Jahre Eishockey und wollte nach seinem Ausstieg dort gern weiter eine Kontaktsportart betreiben. American Football und Rugby hatte er ins Auge gefasst, nach seinem Test im Rugby, American Football aber gar nicht mehr ausprobiert. Eine Unterstützung wie sie die Rugbymannschaft erfährt, nicht nur von den Teamkameraden, sondern auch von den Familien aller Spieler, habe er zuvor nicht kennengelernt. „Ich würde sagen, die Leute sind mehr wie eine Familie als Freunde“, ergänzt Tom Hill. Ihn brachte der Vater zum ovalen Ballsport. Was ihn am Rugby besonders reizt, sei der Spielfluss im Gegensatz zum American Football beispielsweise, wo es doch sehr viele Unterbrechungen gibt. Enno Borchers wurde von einem Bekannten der Familie in den Sport gelockt. Gemeinsam trainieren sie bei Bremen 1860 mit verschiedenen Trainern auch verschiedene Schwerpunkte. Julio Cezar Shkembi zum Beispiel lege den Fokus stark auf die Fitness, Johannes Leba habe alles andere im Blick, erzählen die Jungs. Bei allem Training zuhause setzten die Lehrgänge mit dem nationalen Trainerteam Matias Aristarain und Maxi Bonanno noch einmal andere Maßstäbe. Tom Hill hat inzwischen fünf Lehrgänge einschließlich eines Testspiels gegen Polen absolviert, Enno Borchers war bei vier Lehrgängen dabei und Rasmus Süsens bei drei. Die Nationaltrainer gehen fast ausschließlich auf die Technik ein; davon haben sie viel Neues gelernt, erzählen die Jungs. Das Trainerteam setzt voraus, dass sich die jungen Sportler konditionell und kraftmäßig eigenverantwortlich fit halten. Mit Lauftrainings und Einheiten im Fitnessstudio tun die drei Bremer das auch.

Die neu gelernten Aspekte, wie eine professionellere Art zu fallen und den Ball dabei für die eigene Mannschaft günstig abzulegen oder auch das Spieltempo sowie Erwärmungsübungen, können sie in ihrem regulären Training in Bremen und auch bei den Liga- oder Pokalspielen einsetzen. „Wenn ich den Ball bekomme, renne ich sofort los“, erzählt Tom Hill. Dabei kann er viele Meter gut machen und verschafft seinem Team einen Vorsprung.

Fitter und disziplinierter

Einen Vorsprung haben die drei auch in anderen Aspekten ihres Leben, beispielsweise in der Schule. „Ich bin fitter, ich bin disziplinierter“, sagt Tom Hill. Durch das Miteinander im Sport finden sich auch in anderen Gruppen besser ein, ergänzt Rasmus Süsens. Und sie übernehmen früh Verantwortung: Es sei ihnen wichtig, ihren Sport anständig zu repräsentieren, schließlich handele es sich dabei um einen Randsport, der gut mehr positive Aufmerksamkeit gebrauchen kann, so Tom Hill. Auch deshalb übernehmen sie eine Art Mentorenrolle für die jüngeren Spieler. Von der U 8 bis zur U 16 überschneiden sich die Trainingszeiten. Die Älteren nehmen die Kleinen an die Hand, zeigen ihnen Techniken und helfen, wenn es mal nicht so klappt – und das immer mit Feingefühl. „Es ist klar, dass ich die Kleinen nicht so umnagele, wie wenn ich in Enno reinrenne“, sagt Rasmus Süsens. Rugby ist eben doch ein Sport für Gentlemen und das lernt die nächste Generation schon früh. Sichtbar wurde das auch beim diesjährigen Sanssouci-Pokal in Potsdam, erzählt Jugendtrainer Julio Cezar Shkembi. In den Altersklassen bis einschließlich zur U16 spielen Mädchen und Jungen in gemischten Teams. Einer seiner Jungs habe im Turnier eine Spielerin einer gegnerischen Mannschaft recht hart umgesenst. Im Spiel habe das keine Konsequenzen gehabt; nach Abpfiff habe sich der Spieler von sich aus entschuldigt.

Die drei Bremer im nationalen U 16-Kader sind gerade erst 15 Jahre alt. Sie werden noch eine weitere Saison in der U 16 spielen sowohl im Verein, mit dann hoffentlich mehr Ligaspielen, und gern auch mit dem Nationalteam. Sie alle würden gern für den nächsten Lehrgang nominiert werden, sind sich aber auch einig: Der Spaß am Spiel mit den anderen Jungs steht im Vordergrund.

VON LIANE JANZ
Stadtteilkurier, Ausgabe 15.08.2019, Seite 6

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