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Vereinsleben

Puseletso Dladla liebt die Herausforderung

Die Südafrikanerin aus Bremens Partnerstadt Durban läuft jetzt für den Sportverein Bremen 1860

Für viele Menschen in Industrienationen bedeutet Laufen Loslassen - von Stress im Job, von Problemen im Privatleben. Für einige Menschen in Dritt- oder Schwellenländern bedeutet Laufen Zukunft. 2009 kam Puseletso Dladla zum Laufen. Ein Lehrer brachte die Südafrikanerin dem Sport nahe und in Kontakt mit einem Sportverein in Durban, Bremens Partnerstadt. Seitdem läuft sie – und das nicht nur in Südafrika. Die 27-Jährige startet jetzt für Bremen 1860.
Sie wuchs in Durban auf, im Valley, wie sie sagt. Dort leben die Menschen in ärmeren Verhältnissen als in der City. Ohne Trainer lief sie für sich, arbeitete selbstständig an ihrer Kondition und verbesserte sich kontinuierlich. 2010 erfuhr sie von einem Projekt zu „Women Empowerment“; die Organisatoren suchten Frauen im Sport, denen sich durch Sport weitere Möglichkeiten eröffnen sollten. 2011 kam die Läuferin das erste Mal auf Einladung des Bremer Leichtathletik-Verbands (BLV) nach Bremen und lief über zehn Kilometer beim swb-Marathon mit. Die zehn Kilometer sind ihre Paradestrecke. In etwas über einer halben Stunde hat sie die in ihren besten Zeiten überwunden. Am 17. Mai beim SportScheck Run Bremen wird sie wieder über diese Distanz in der Speed-Gruppe an den Start gehen.

Zusammen mit Christian Siegmund leitet Puseletso Dladla derzeit drei Mal wöchentlich das Training der U12- und U14-Leichtathleten von Bremen 1860. Ihren Trainerschein hat sie schon lange. Mit den Preisgeldern, die sie für Erfolge bei regionalen Rennen in Südafrika erhielt, finanzierte sie sich in Durban einen Uniabschluss in Sportmanagement. Später erhielt sie ein Stipendium aus Deutschland und machte 2014 in Mainz ihr Diplom in Sportwissenschaft. Noch im selben Jahr stattete sie Bremen erneut einen Besuch ab und ging wieder einmal beim swb-Marathon an den Start.

Sportlich wurde es auch im vergangenen Jahr, als der BLV ein Austauschprojekt zwischen Durbaner und Bremer Leichtathleten organisierte. Dabei lernte Puseletso Dladla auch Christian Siegmund und weitere Athletinnen von Bremen 1860 kennen. In Durban trainierten sie zusammen Puseletso Dladlas Kindergruppe im Valley. Dort engagiert sie sich freiwillig, um etwas zurückzugeben. In Durban City arbeitet sie unter anderem als Personal Trainerin. Im August erfolgte der Gegenbesuch und die Leichtathletin kam zum dritten Mal in die Hansestadt.

Im vergangenen Jahr entschied sie auch, mal etwas was Neues auszuprobieren. „Ich liebe die Herausforderung“, sagt sie. Verschiedene Gebirgsläufe hatte sie bereits absolviert. Dann, 2018, nahm sie zum ersten Mal an einem Obstacle-Rennen teil. Bei dieser extremen Art des Hindernislaufs müssen die Athleten querfeldein laufen, schlammige Wasserlöcher überwinden, über Wände klettern, sich durch Hindernisparcours hangeln und vieles mehr.

Das bekannteste Rennen in Afrika heißt „Warrior Race“, die deutsche Version dessen ist das „Spartan“ in München. Mitte April ging sie dort an den Start. Freunde aus Stuttgart und ihre Trainingsgruppen in Durban halfen ihr, das Startgeld aufzubringen. „Das Wasser war furchtbar kalt“, erzählt sie. Als sie aus dem Wasserloch kam, hatte sie kaum noch gehofft, sich an den Obstacles festhalten zu können. So klamm waren ihre Hände. Doch sie schaffte den Parcours – und das sogar als Vierte.

Über das Projekt „Go Connect Europe“ von Prima-LIMA e.V. in Esslingen kam sie nach dem „Spartan“ erneut nach Bremen, besuchte hier Freunde von ihren früheren Aufenthalten und traf beim Laufen im Bürgerpark Christian Siegmund wieder. Der verpflichtete sie gleich für die Trainerarbeit bei 1860 und motivierte sie, auch für den Schwachhauser Sportverein bei Rennen an den Start zu gehen. Puseletso Dladla sagte sofort zu und bleibt, solange ihr Visum es zulässt.

Allein um den Sport geht es ihr dabei schon lange nicht mehr: Der Austausch stehe im Vordergrund, sagt sie. Beim Training mit den Bremer Kindern lerne sie so viel Neues, dass sie in ihr Training mit afrikanischen Kindern einbauen kann. Umgekehrt setzt sie Impulse im Training bei 1860, die sie aus ihrer Heimat mitbringt. „Man hört nie auf zu lernen“, sagt sie. Das ist eine Lehre des Sports. Eine andere sei die große Community. Inzwischen hat die Läuferin ein so großes Netzwerk an Sportlern, Förderern und Freunden aufgebaut, dass sie in zahlreichen Städten Menschen kennt, die ihre Leidenschaft für den Sport teilen. Und es werden immer mehr.

Die Leichtathletik-Abteilung von Bremen 1860 nimmt fortlaufend Sportlerinnen und Sportler auf. Die Trainingszeiten stehen auf www.bremen1860.de unter „Sportsuche“. Nicht-Mitglieder können das Vereinsangebot mit einem Gästeausweis zwei Wochen lang testen. Den Ausweis gibt es für zehn Euro von montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr in der Geschäftsstelle im Baumschulenweg 6.

VON WK
Stadtteilkurier, Ausgabe 06.05.2019, Seite 7

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