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Vereinsleben

Fast wie fliegen

Die elfjährige Lucienne Bitomsky wird bei der Bremer Premiere von "Holiday on Ice" auftreten

Wenn die große "Holiday on Ice"-Revue im Februar in der ÖVB-Arena gastiert, dann bekommt eine junge Bremerin eine ganz große Bühne: die elfjährige Lucienne Bitomsky aus Habenhausen wurde ausgewählt und darf eine eigene Kür in der Show zeigen. Sie wird den zweiten Teil der Premiere von "Showtime" in Bremen am 20. Februar eröffnen, wenn auch die Paarlauf-Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot dabei sind.

"Wir konnten es kaum glauben, das war überwältigend", erzählt die Mutter, Olga Bitomsky, von dem Tag, als die E-Mail der Academy von "Holiday on Ice" eintraf. "Ich hab mich gefreut", sagt Lucienne, die sich schon Gedanken darüber macht, wie sie auf der kleinen Eisfläche zurechtkommen wird. Sie möchte ihr Bestes zeigen, aber die Eisfläche in der Halle an der Bürgerweide misst nur 18 mal 40 Meter. Ihre Kür, mit der sie Landesmeisterin in ihrer Kategorie der Zehnjährigen wurde, hat sie in der Eislaufhalle Paradice auf 30 mal 60 Meter einstudiert.

Mit viereinhalb Jahren hat Lucienne Bitomsky den ersten Eislaufkursus belegt: "Ich mochte das Tanzen und habe Eislaufen im Fernsehen gesehen", erzählt sie. Nach zwei Jahren Rollschuhlaufen, das ihr "nicht so Spaß gemacht hat", hat sie sich bei Bremen 1860 ganz dem Eiskunstlaufen verschrieben. "Ich will auch so viel können wie die Großen", war ihr Wunsch. Und dieser Ehrgeiz ist geblieben. Ihr großes Vorbild ist Alina Zagitova, die 15-jährige Olympiasiegerin aus Russland, dem Heimatland ihrer Mutter. Olga Bitomsky aus Kaliningrad verbrachte 1995 ein Jahr als Au-Pair-Mädchen in Deutschland, lernte hier ihren Mann kennen und blieb in Bremen.

Olga Bitomsky unterstützt die Leidenschaft ihrer Tochter, sie ist zweite Vorsitzende der Eis- und Rollsportabteilung bei Bremen 1860, einem "tollen Verein". In der Eislaufhalle Paradice in Walle könne man jeden Tag trainieren, man habe tolle Trainer. Allerdings ist die Halle nur im Winterhalbjahr geöffnet. Ab Ostern fahren Olga und Lucienne Bitomsky zum Trainieren nach Dinslaken und Willingen. Im Sommer beim Campingurlaub in der Nähe von Bordeaux hat Lucienne das Surfen für sich entdeckt, mit dem sie ihre Muskelkraft trainiert. Die Elfjährige besucht die fünfte Klasse am Alten Gymnasium, am Wochenende die russische Schule und geht zum Ballett.

"Man fällt ab und zu, aber wenn man in der Luft ist, dann ist das wie fliegen", schwärmt Lucienne von ihrem Sport, für den sie täglich bis zu drei Stunden trainiert. Stürzen und die Angst überwinden gehören beim Eiskunstlaufen dazu. "Man muss das machen, was die Trainer sagen, auch wenn man erst mal hinfällt." Irgendwann klappt es dann mit einer neuen Pirouette, einem neuen Sprung. "Ich springe alle Doppelten", erklärt Lucienne stolz. Den doppelten Axel, einen Sprung mit zweieinhalbfacher Umdrehung, trainiert sie jetzt. Bei den Profis bewundert die Elfjährige auch, dass sie immer lächeln können. "Wenn ich hinfalle, sieht man es mir an." Wenn sie immer wieder den gleichen Fehler macht oder wenn sie sich über eine schlechte Schulnote ärgert und schlechte Laune hat, und es dann auch mit dem Eislaufen nicht so klappt, dann hat auch Lucienne mal keine Lust. Aber ans Aufhören habe sie noch nie gedacht. Auch nicht als sie im vergangenen Herbst einen Monat lang einen Gips tragen musste, weil sie sich am Fußgelenk verletzt hatte. 

Drei Minuten und 15 Sekunden dauert ihre Kür aktuell. Zur Musik aus einer französischen Komödie gleitet die Elfjährige in einem Kleid mit schwarzem Röckchen und geringeltem Oberteil, mit roten Handschuhen und Tuch im Haar über das Eis, dreht sich, springt. Damit hat sie in ihrer Bewerbung für die Eisrevue überzeugt. Bei ihrer gut zweiminütigen Kurzkür zu einer Zigeunermusik trägt Lucienne passend ein buntes Kleid mit türkisblauem Rock und bordeauxfarbenem Oberteil. "Stoffe aussuchen, Sternchen kleben, das macht mir Spaß", sagt Olga Bitomsky.

"Für den ,Holiday on Ice'-Auftritt haben wir schon die Musik bekommen, eine schnelle Musik, aus dem Pop." Dazu wollen sie eine Kür entwickeln und ein zum Thema passendes Kostüm. Olga Bitomsky hat schon eine Idee, vielleicht einen Hosenanzug, vielleicht etwas Glitzerndes mit Pailletten, gibt sie Einblicke in die Pläne. Das wird sie mit Lucienne aussuchen und der Schneiderin in Osnabrück besprechen. Für die junge Eiskunstläuferin ist vor allem wichtig, "wie sich das Kleid anfühlt" – damit es eine gelungene "Showtime" wird, wie sie es nennt.

"Auch wenn man fällt, muss man einfach weitermachen."

Lucienne Bitomsky

VON KORNELIA HATTERMANN
WESER-KURIER, Ausgabe 03.12.2018, Seite 13   
Foto: Chiara Gondlach

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