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Auf die Plätze! Fertig! Südafrika!

Drei Leichtathletinnen und zwei Trainer von Bremen 1860 reisten mit einer BLV-Delegation unter anderem nach Durban

Diesen Trip werden alle Beteiligten ihr Leben lang nicht vergessen: 16 Leichtathletinnen und -athleten waren mit ihren Trainerinnen und Trainern für einen kulturellen und sportlichen Austausch nach Südafrika gereist. Organisiert hatte die Reise der Bremer Leichtathletik-Verband (BLV), gefördert unter anderem mit 95.000 Euro vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Hürden für die Sportlerinnen und Sportler, die mitfliegen wollten, waren hoch.

Sie mussten eine schriftliche Bewerbung einreichen und anschließend in Gruppenarbeit Programminhalte vorbereiten. Von Bremen 1860 haben die Leichtathletinnen Shalia Ouedraogo, Zoe Hackius und Hannah Cirksena alle Tests bestanden und gehörten damit zu den Auserwählten. Die 1860-Trainer Christian Siegmund und Hartmut Bunzel komplettierten die Reisegruppe. Vor ihnen lag ein abwechslungsreicher und vollgepackter Reiseplan: In Johannisburg besuchten sie das „Apartheid Museum“ und lernten einiges über den jahrzehntelangen Kampf um Rassengleichberechtigung in ihrem Gastgeberland. Nach Abstechern nach Pretoria und die Drakensberge stand ein längerer Aufenthalt in Bremens Partnerstadt Durban an, bevor die Gruppe den Hluhluwe­lm-Folozi Nationalpark erkundete.

In Durban verbrachten die Bremerinnen und Bremer die meiste Zeit mit afrikanischen Sportlerinnen und Sportlern und stellten in einer Schule und bei einigen Township-Projekten ihr Kinder-Leichtathletik-Programm vor. „Es ist nicht so wie bei uns, dass es dort öffentliche Sportstätten gäbe“, erzählt Christian Siegmund. Während des Schulunterrichts und in den Pausen bewegen sich die Kinder häufig mit einem Ball am Fuß über den Schulhof. Nach Schulschluss sind sie meist sich selbst überlassen oder müssen der Familie helfen, den Lebensunterhalt zu verdienen. Beeindruckt war Trainer Christian Siegmund von einigen südafrikanischen Trainerkollegen, die ehrenamtlich und mit den einfachsten Mitteln, wenn ihnen überhaupt welche zur Verfügung stehen, nachmittags Bewegungsangebote auf Plätzen in den Townships anbieten. Diese Trainer tun das allein aus ihrer Leidenschaft für den Sport und aus dem Wunsch heraus, den Kindern eine Alternative zu einer kriminellen Laufbahn zu bieten. Diesen engagierten Überzeugungstätern haben die Bremer Sportlerinnen und Sportler Trainingsmaterial, wie Schaumstoffbälle, Springseile und Kinderhürden, da gelassen. Ein kleiner Tropfen, der den Stein ein wenig weiter gehöhlt hat.

Ganz neue Erfahrungen machten die Bremerinnen und Bremer in den verschiedenen Unterkünften während ihrer Tour. Backpacker-Hostels und Hotels waren zwar auch darunter. Am gewöhnungsbedürftigsten waren allerdings die kleinen, primitiven Hütten, beispielsweise aus Lehm, in denen auch die Einheimischen in ländlichen Regionen leben. Vor allem in dörflichen Gegenden erfuhren die wohlstandsverwöhnten Stadtkinder, was es heißt auf einfachsten Lagern zu schlafen und aufs extremste Wasser sparen zu müssen.

Zu der Austauschgruppe gehörten Sportlerinnen und Sportler um die 17 Jahre, die dabei auch ihre Jugendleiterausbildung gemacht haben. Für die Jugendlichen und für einen Teil der Betreuerinnen und Betreuer war die Reise in die südafrikanische Lebenswelt die erste ihrer Art. Auch für Christian Siegmund. „Ich dachte nicht, dass mich das so verändert, dass ich meinen Blickwinkel so anpassen werde“, sagt er. Die Leidenschaft, Energie und Begeisterung, mit der die afrikanischen Kinder, Jugendlichen und ihre Betreuer an Dinge herangehen, habe alle Beteiligten mitgerissen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wie sie trotz der denkbar schlechten Umstände mit Feuer und Flamme bei der Sache sind und sich nicht unterkriegen lassen. Ein bisschen mehr von dieser Wow-Einstellung wünscht sich der Trainer auch von seinen Landsleuten. „Warum können wir, mit allen Möglichkeiten, die wir hier haben, nicht mit so einer Motivation Dinge angehen“, fragt er.

So einen Austausch organisiert der BLV nur alle drei Jahre. Neben dem organisatorischen Aufwand, der viel Zeit verschlingt, muss auch die finanzielle Absicherung gegeben sein. Das braucht eben seinen Vorlauf.

Einen Bericht zum Gegenbesuch der Südafrikaner lesen Sie hier: https://bremen1860.de/verein/news/1_/1810_sport_trifft_kultur
 

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