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Eine glänzende Ausbeute

Bremen 1860 holt bei den deutschen Meisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik 15 Medaillen

Es war ein hartes Wochenende, aber für die Rhythmischen Sportgymnastinnen von Bremen 1860 haben sich am Ende alle Mühen gelohnt. Sie kehrten von den deutschen Meisterschaften mit 15 Medaillen zurück – fünf goldenen, sieben silbernen und zwei bronzenen. „Mit diesem Abschneiden sind wir sehr zufrieden“, sagte die Leitende Trainerin am RSG-Bundesstützpunkt Bremen, Larissa Drygala. „Die guten Ergebnisse helfen uns hoffentlich, wenn wir im kommenden Jahr um eine Verlängerung der Anerkennung unseres Stützpunktes kämpfen müssen.“

Bis Ende 2020 ist die Finanzierung des Stützpunkts an der Bremer Universität gesichert. Und die Athletinnen zahlen die Investitionen regelmäßig mit nationalen und auch internationalen Erfolgen zurück. Die Titelkämpfe in Nürnberg forderten den Bremerinnen nicht nur wegen der langen Anreise vieles ab, sondern auch wegen des prall vollen Wettkampfprogramms. Erstmals fanden Einzel- und Gruppenwettbewerb der Junioren und der Meisterklasse an einem Wochenende und an einem Ort statt.

Nervenstarke Meisterklassen-Gruppe

Einen ebenso herausragenden wie souveränen Auftritt legte die Meisterklassen-Gruppe von 1860 hin. Souverän, weil sich die Bremerinnen sowohl im Mehrkampf mit 26,900:23,700 Punkten als auch im Finale mit 14,600:13,950 Punkten klar vor dem TV Dahn behaupteten. Herausragend war die Leistung des Quintetts mit drei Reifen und zwei paar Keulen als Geräten, weil der TV Dahn im Finale eine Wertung vorgelegt hatte, die 1860 tags zuvor in beiden Choreografien des Mehrkampfs nicht erreicht hatte. „Da dürfen wir uns keinen Fehler erlauben“, hatte Andra Günnemann, mit 24 Jahren die Älteste in der 1860-Gruppe, mit Blick auf die Konkurrenz vor dem entscheidenden Auftritt verlangt.

Gesagt, getan. Die Gruppe der Trainerinnen Birgit Passern und Gisela Drygala hielt dem Druck stand. Sie turnte zwar nicht hundertprozentig synchron, zeigte aber alle geforderten Elemente in guter Qualität. Warum die jeweils gleichen Choreografien fast aller Gruppen am Sonnabend schlechter benotet worden waren als am Sonntag, konnte Larissa Drygala leicht erklären. „Das liegt an der unterschiedlichen Zusammensetzung des Kampfgerichts“, sagte sie. Larissa Drygala ist selbst weltweit als Kampfrichterin tätig und war auch in Nürnberg im Einsatz.

Wie die Meisterklassen-Gruppe, setzt sich die Juniorinnenleistungsklassen-Gruppe (JLK) von 1860 aus Turnerinnen mehrerer Vereine zusammen. Auch der Nachwuchs holte in Nürnberg mit fünf Bändern das Optimum für sich heraus. Da der neue Meister TSV Schmiden identisch ist mit der Nationalmannschaftsgruppe, hatte 1860 auf den Gewinn der Silbermedaille hintrainiert. „Für uns ist Silber Gold“, sagte Larissa Drygala. Die Schmidener trainieren seit zwei Jahren ausschließlich Gruppe, fahren Mitte Juli auch zur 1. Juniorinnen-WM nach Moskau und setzten sich entsprechend ungefährdet mit klarem Vorsprung vor 1860 durch. Der TB 1889 Oppau als DM-Dritter konnte die Bremerinnen auf Platz zwei jedoch weder im Mehrkampf noch im Finale in Bedrängnis bringen.

Gold im letzten Finale

Julia Stavickaja, Aushängeschild von 1860 und Olympiastarterin in Rio den Janeiro 2016, sorgte in den Einzelwettbewerben der Meisterklasse für das herausragende Bremer Resultat. Im Vorjahr ohne Meistertitel geblieben, triumphierte die inzwischen 22-jährige Jurastudentin im Keulen-Finale. Es war die letzte DM-Entscheidung – und für Stavickaja die letzte Chance, noch eine Goldmedaille zu holen. Im Mehrkampf, mit dem Reifen und mit dem Ball hatte sich die Bremerin jeweils nur der überragenden Emeli Erbes (TSV Schmiden) geschlagen geben müssen. Mit dem Band war sie sogar nur Vierte geworden. Ein Ergebnis, das Folge der Umstellung ihrer Übung im März dieses Jahres war. „Die Umstellung erfolgte letztlich zu knapp vor der DM“, sagte Larissa Drygala. Aber mit den Keulen ließ Stavickaja ihrer Dauerkonkurrentin Emeli Erbes beim 17,700:16,050 keine Chance.

Für die wohl größte Überraschung sorgte Jule Scheffer, die im Finale der Meisterklasse mit dem Band dank einer starken Vorstellung Rang zwei hinter Erbes belegte. Die 16-Jährige, gerade erst in die Meisterklasse aufgerückt, hatte wegen ihrer Schwächen mit dem Band ein Vierteljahr Spezialtraining bekommen. Das sollte sich nun auszahlen.

Zwei junge 1860-Turnerinnen agierten in der JLK herausragend: Sandy Kruse holte in der JLK 14 mit 5,800 Punkten Vorsprung Gold im Mehrkampf, siegte auch mit dem Ball und wurde im Keulen- und im Band-Finale Zweite. Obwohl ihr Trainingsjahr laut Larissa Drygala nicht so erfolgreich verlaufen war, präsentierte sich Sandy Kruse beim Saisonhöhepunkt in Bestform. Alissa Pjatich schließlich glänzte in der JLK 15 mit Bronze im Mehrkampf und im Seil-Finale.

Gruppe Meisterklasse: Chantal Behrje (OSC Bremerhaven), Jule Scheffer, Vanessa Leipholz (beide 1860), Lillie Schupp (Blumenthaler TV), Haruka Kodama, Andrea Günnemann (beide TV Eiche Horn).

Gruppe Juniorenleistungsklasse: Alissa Pjatich, Sandy Kruse (beide 1860), Emilia Teljukina, Jo-Emma Reppenhagen (beide OSC Bremerhaven), Lana Raczkowski (Blumenthaler TV), Anastasia Janz, Vivien Woitzik (beide 1860).

VON JÖRG NIEMEYER
FOTO: TIM SCHEFFER
Weser-Kurier, Ausgabe 25.06.2019, Seite 25

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