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Gelungener Saisonausklang

Beim "Paradice Cup" treffen sich Eiskunstläufer aus ganz Deutschland

Es ist so eine Sache mit dem Material. Öfter schon hat es einigen Sportlern einen Strich durch den Trainingsplan und die Wettkampfrechnung gemacht. Auch beim „Paradice Cup“ im Eiskunstlaufen in der Eissporthalle in Walle hatten zwei Läuferinnen damit zu kämpfen. Sophie Meinke vom Ausrichter Eis- und Rollsportverein Bürgerweide (ERB) Bremen hatte weniger als eine Woche Zeit, sich an neue Schlittschuhe zu gewöhnen. Weil die alten kaputt gegangen sind, musste kurzfristig was Neues her.
„Normalerweise braucht man mindestens drei Wochen, bis die Schuhe eingelaufen sind“, sagte sie. Die Woche vor dem Wettkampf habe sie große Probleme im Training gehabt, konnte sich nicht richtig auf ihren Auftritt im Wettbewerb vorbereiten. Ihre Kür zu einem Lied aus dem Musical „La La Land“ lief Sophie Meinke an ihrem 26. Geburtstag dann doch besser als gedacht. Als Siebte von neun Starterinnen in der Klasse ISU Bronze Altersklasse 0 der 16- bis 28-Jährigen war sie den Umständen entsprechend mit ihrer Leistung zufrieden. Außergewöhnlich viel Konkurrenz habe sie dabei gehabt.

Das ist ein Merkmal des Cups: Der Wettbewerb ist offen, die Konkurrenz entsprechend größer als bei reinen Bremer Turnieren, wie beispielsweise den Landesmeisterschaften. 240 Läuferinnen und Läufer waren gemeldet, mehr als im vergangenen Jahr, sagte ERB-Trainerin Viktoria Dederer. „Für viele Vereine ist das der Saisonabschluss“, fuhr sie fort. Nicht nur aus den benachbarten Bundesländern waren Sportlerinnen und Sportler nach Bremen gereist, auch aus weiter entfernten Gegenden, wie Berlin, Sachsen oder Hessen, waren sie da. Einige davon trainieren das ganze Jahr über auf Eis, während Läuferinnen und Läufer in Bremen ab April auf Rollschuhe wechseln müssen.

Auch Cynthia Tsagopoulos von Bremen 1860 haderte mit dem Schuhwerk. Auch sie lief mit neuem, noch nicht eingelaufenem Leder, das vor allem am rechten Knöchel drückt. Um den Druck abzumildern, hatte sie sich eine Schicht Mullbinde um den Knöchel gewickelt, die während ihrer Kür in der Startgruppe ISU Masters Altersklasse 0 hochrutschte. Dennoch sei sie die beste Kür der Saison gelaufen, sagte sie. Zu Beginn der Eiszeit im vergangenen Herbst startete sie noch eine Klasse tiefer in der ISU Gold. Mit dem Wechsel in die Masterklasse muss sie auch schwierigere Elemente in ihre Kür einbauen. Der Doppellutz ist so ein Element, das ihr immer noch Respekt einflöße, sagte sie.

Cynthia Tsagopoulos fing mit neuneinhalb Jahren mit dem Eiskunstlaufen an. Während des Abiturs und als sie mit einer Sprunggelenksverletzung außer Gefecht gesetzt war, musste sie zwangspausieren. Seit der vergangenen Saison steht sie wieder im Training, das aber inzwischen nicht mehr so intensiv wegen der Ausbildung, die sie begonnen hat. In dieser Saison reichte die Zeit trotzdem für sechs Wettkämpfe auf dem Eis, davon sei der „Paradice Cup“ von ihrer Leistung her der beste gewesen. Trotz kleinerer Probleme während der Kür ließ sie die Konkurrenz vom Weddinger ERC und dem Sportclub Charlottenburg hinter sich und holte Gold. Seit fünf Jahren muss sie immer als Erste in ihrer Startgruppe ran. „Wenn ich als Zweite oder Dritte laufe, schaue ich mir die anderen vorher nie an“, sagte sie. Das baue zu viel Druck auf.

Das Ergebnis sei bei diesem Wettbewerb letztlich ohnehin zweitrangig, sagte zumindest Mirja Bode von Bremen 1860. Die 36-Jährige freute sich vor allem darauf, Läuferinnen aus anderen Bundesländern wieder zu treffen, die sie länger nicht gesehen hatte. Es gehe vor allem bei den Erwachsenen mehr um das Miteinander, das sie beim „Paradice Cup“ schätze. Mit ihrem zweiten, und in ihrer Startklasse ISU Bronze Altersklasse 1 auch letzten Platz war sie dann auch zufrieden. „Es war das, was ich im Training vorbereitet hatte und das habe ich endlich auch gezeigt“, sagte sie. Normalerweise komme ihr bei Wettbewerben immer ihre Nervosität in die Quere, auch wenn sie technisch alles drauf hat. Warum sie dieses Mal ruhiger auftreten konnte, wusste sie selber nicht. Vielleicht, weil ihr von vornherein klar war, dass die Konkurrentin vom Leipziger Eissport-Club besser ist.

Eine Premiere war der „Paradice Cup“ für Paolo Schill vom ERB Bremen. Zum ersten Mal stand er in diesem Rahmen auf dem Eis und absolvierte seine Kür bei den Minis Jungen noch recht unaufgeregt – keine Spur von Lampenfieber. Schlussendlich war er mit seiner Leistung auch zufrieden, auch wenn er hinter seinem Vereinskollegen Elias Guz als einzigem Konkurrenten zurückblieb. Ein bisschen gewackelt hat der Toe Loop. Die Schwierigkeit bei diesem Sprung sei, dass er mit der hinteren Zacke abspringen und dann auf einem Bein landen müsse, erzählte er. Das sitzt noch nicht ganz. Aber das mag er am Eiskunstlaufen: „Dass man immer wieder dazu lernt.“

Bremer Treppchenplatzierungen, Figurenläufer Mädchen 2: 2. Meitje Hülsmann (1860); ISU Bronze AK 0: 2. Jenny Gabriel (1860); Kürklasse 6 Jungen: 2. Erik Welik (ERB); Offene Klasse: 2. Miriam Anders (ERB); Freiläufer Jungen: 2. Niklas Naam (ERB); Kürklasse 8 Mädchen 1: 3. Liza Tiuliagina (ERB); Neulinge: 3. Christina Kinsvater (1860).

VON LIANE JANZ
FOTO: CHIARA GONDLACH
Stadtteilkurier, Ausgabe 28.03.2019, Seite 10

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