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Titel für Christina Kinsvater und Lisa Welik

Die Bremer und Bremerhavener Eiskunstläuferinnen haben ihre Landesmeisterschaften ausgetragen

Anlauf rückwärts, sie hebt ab, fliegt kurz und landet wieder sicher auf der Kufe. Vor dem Rittberger hatte Christina Kinsvater von Bremen 1860 am meisten Respekt. Noch nie konnte sie ihn im Wettbewerb stehen. Jetzt ist es zum ersten Mal gelungen – und dann auch noch da, wo es am meisten zählt. Die zwei Bremer und zwei Bremerhavener Vereine, in denen Leistungssport auf Rollen und Kufen angeboten wird, haben ihre Landesmeisterschaften im Eiskunstlaufen ausgetragen. Die Organisation war ein Gemeinschaftswerk aller vier Klubs.
Bislang wechselten sich die Vereine mit der Ausrichtung ab, doch das sei jedes Mal ein ganz schöner Aufwand, sagte Trainerin Meentje Otto von Bremen 1860. Deshalb haben 1860 und der Roll- und Eissportverein Bürgerweide (ERB) die Organisation vor Ort in der Eissporthalle Paradice in Walle übernommen, während der REV Bremerhaven und der SC Bremerhaven ortsunabhängige Dinge übernahmen, wie Urkunden zu besorgen und Wertungsrichter einzubestellen. Das erste Gemeinschaftswerk werde nach den Meisterschaften ausgewertet und dann entschieden, ob es eine Zukunft hat oder ob künftig wieder einer allein alles übernimmt, so Meentje Otto und ERB-Trainerin Viktoria Dederer. Während der Meisterschaften standen andere und anderes im Fokus.

So bekam auch Christina Kinsvater vom Drumherum nicht viel mit, sondern konzentrierte sich ganz auf ihre Läufe. Die Elfjährige hatte ein ordentliches Programm auf den schmalen Schultern. Vormittags legte sie zwei Kürklassenprüfungen ab, lief dann im Kurzprogramm und nachmittags noch in der Kür. „Ich weiß auch nicht, wie ich das geschafft hab“, sagte sie am frühen Abend. Ein hohes Pensum ist sie zwar gewohnt, aber nicht alles an einem Tag. Die Eiskunstläuferin aus der Nähe von Hagen bei Bremerhaven fährt vier Mal in der Woche nach Bremen zum Training und manchmal auch noch am Wochenende. Wenn eine Trainerin bereit steht, fängt auch mal an einem Sonntag um acht Uhr früh das Training an. Ihre Mitschüler wundern sich schon manchmal, warum sie sich das antut. „Die spielen Play Station. Ich bin froh, dass ich das mache“, sagte die Athletin.

Ihre Karriere begann früh, erzählte Mutter Maryana Kinsvater. Seit sie vier Jahre alt ist, läuft die Tochter Schlittschuhe. Mit etwa viereinhalb ist sie auf Rollen gewechselt und gehörte dem Trainingskader von Constanze Hoßfeld an. Unter ihrer Leitung schaffte sie es mit sieben in den Bundeskader. Mit neun hat sie entdeckt, dass ihre wahre Leidenschaft auf dem Eis liegt, und sie wechselte zurück. Durch die Zeit auf Rollen brachte sie viel mit; die Figuren und Elemente sind ähnlich. „Aber auf dem Eis sieht das viel eleganter aus“, sagte die Athletin. Bei so viel Erfahrung sollte sie doch von Haus aus viel Motivation für die Landesmeisterschaften mitbringen, könnte man meinen.

Doch ihre einzige Konkurrentin in ihrer Startklasse Neulinge, Teamkollegin Lucienne Bitomsky, hatte mit einer super Performance vorgelegt und Christina Kinsvater beeindruckt. Letztlich war es nur eine Frage von Kommastellen, dass sie sich gegen Lucienne Bitomsky durchsetzen konnte.

Etwas gewackelt hat es auch bei Lisa Welik vom ERB Bremen, zumindest in der eigenen Wahrnehmung der 15-Jährigen. Mit ihrer Kür war sie nicht wirklich zufrieden; das Einlaufen sei besser gewesen. Ihre Lieblingsdisziplin ist eigentlich Rollkunstlaufen und da am liebsten als Paar mit Michael Seeger-Suarez. „Mit Eiskunstlaufen hab ich angefangen“, erzählte die Athletin. Das war vor zehn Jahren, und im Winter nimmt sie noch immer die Gelegenheit wahr, ihr Können auf Kufen auszubauen. Parallel dazu arbeitet sie weiterhin auch an ihrer Kür auf Rollschuhen. Eiskunst-, Rollschuh- und Athletiktraining zusammengerechnet, absolviert sie bis zu sieben Einheiten pro Woche. Den Stoff für die Schule paukt sie abends oder in der Mittagspause.

Der ganze Trainingsaufwand soll sie zur Europameisterschaft im Rollkunstlaufen im eigenen Land im August bringen. Dort kann sie, wenn sie die Qualifikation schafft, nur im Paarlauf antreten, weil sie für die Einzelwettbewerbe noch zu jung sei, sagte Trainerin Viktoria Dederer.

Nächster Termin ist ein Sichtungslauf in wenigen Wochen in Dresden. Bei aller Leidenschaft für den Rollsport, selbstkritisch ging sie auch auf Kufen mit sich um. Am Ende brauchte sie das gar nicht, denn Lisa Welik hat die Konkurrenz hinter sich gelassen und in ihrer Startklasse Ü 10 den Titel geholt.

Weitere Goldmedaillen gingen an: Minis Jungen: Elias Guz, ERB; Minis Mädchen A: Sophia Wagner, SCB; Minis Mädchen B: Julia Kolanek, SCB; Minis Mädchen C: Viktoria Wetzel, REV; Küken Mädchen: Lucia Radazzo, 1860; AK 8/9 Mädchen: Joceline Iyeke, 1860; Anfänger Ü 10 Jungen: Erik Welik, ERB; AKÜ10 Mädchen A: Elena Hergert, REV; Jahrgangsklasse 2008/2009 Mädchen: Alicia Stawikowski, SCB ; Jahrgangsklasse 2007 Mädchen: Dehui Huo, 1860; Jahrgangsklasse 2006 und älter Mädchen: Sophie Ostrau, REV; Nachwuchsklasse Damen: Dana Bekov, 1860; Showprogramm Solo: Anne Vogt, 1860; ISU Gold YA Damen: Jacqueline Skottki, REV; ISU Bronze Damen: Anne Vogt, 1860; ISU Masters: Cynthia Tsagopoulos, 1860; ISU Bronze Herren: Christian Noll, 1860; Offene Klasse: Miriam Anders, ERB.

VON LIANE JANZ
FOTO: CHIARA GONDLACH
Stadtteilkurier, Ausgabe 28.02.2019, Seite 7

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