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In letzter Minute ab zur WM

Sportgymnastin Julia Stavickaja darf nun doch starten

Nach einer Achterbahn der Gefühle hat sich für Julia Stavickaja doch noch alles positiv entwickelt. Die 20-jährige Bremer Gymnastin ist nachträglich für die Weltmeisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik vom 10. bis 16. September in Sofia nominiert worden. „Das ist unglaublich toll, damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet“, erklärt Julia Stavickaja, die für Bremen 1860 startet.  In der Tat hatte es noch vor den Sommerferien eine offizielle Absage des Deutschen Turnerbunds (DTB) gegeben. Julia Stavickja war als Dritte der deutschen Mehrkampfmeisterschaften nicht für einen WM-Start vorgesehen. Der DTB wollte lediglich die beiden Erstplatzierten an den Start gehen lassen und sich nicht auf eine dritte Teilnehmerin einlassen.

Doch in der vergangenen Woche kam alles anders. Nach vielen ärztlichen Untersuchungen wurde klar, dass die deutsche Meisterin Lea Tkaltschewitsch aufgrund einer langwierigen Verletzung nicht bei der WM turnen kann. Und auch der Start der zweiten Gymnastin ist noch nicht perfekt. Noemi Peschel, Tochter der ehemaligen erfolgreichen deutschen Gymnastin Magdalena Brezska, musste sich kurzfristig einer Blinddarm-Operation unterziehen, will aber auf jeden Fall alles versuchen, bis zur WM wieder fit zu sein.

Damit war ein Startplatz auf jeden Fall frei geworden, und die WM-Chancen für die Bremerin waren erheblich gestiegen. „Der Verband hätte allerdings auch keine oder nur eine Gymnastin zur WM schicken können“, sagt Larissa Drygala, leitende Trainerin am Bundesstützpunkt in Bremen. „Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass der DTB entschieden hat, Julia doch noch zu nominieren.“

Dabei waren die Verantwortlichen beim Deutschen Turnerbund nicht wirklich gut auf die Bremerin zu sprechen. Immerhin hatte die Jura-Studentin dem DTB als Ersatzturnerin für die Gruppe abgesagt und stattdessen dafür gekämpft, als Dritte zur WM fahren zu dürfen. Der Frust, nicht als Einzelgymnastin zur WM fahren zu dürfen, war enorm groß. Sogar einen Nationalitäten-Wechsel nach Lettland hatte Julia Stavickaja in Betracht gezogen (wir berichteten). Das hatte man beim DTB nicht wirklich positiv aufgenommen. Immerhin konnten die Bremer die Wogen etwas glätten und den Verband überzeugen, dass die 20-Jährige am liebsten natürlich für Deutschland starten würde.

Was letztendlich auch stimmt und sie jetzt nach der frustrierenden Hängepartie endlich darf. Mit der Teilnahme als Einzelgymnastin bei der WM hat sich für Julia Stavickaja nach der Teilnahme bei Olympia in Rio mit der Gruppe ein zweiter sportlicher Traum erfüllt. Glücklicherweise hat sie keine Sommerpause eingelegt, sondern in den Ferien für sich alleine weitertrainiert. Was ihr nun zugutekommt. „Hätte ich nichts getan, wäre es jetzt schwierig, wieder so schnell richtig reinzukommen“, sagt die Studentin. Doch was bedeutet die nachträgliche Nominierung jetzt? „Noch mehr Training“, sagt sie kurz und muss lachen. Zum Glück sind alle Klausuren geschrieben und die Hausarbeit abgegeben, sodass die Konzentration und der Fokus tatsächlich ganz auf die WM gelegt werden können. 

Die erste wichtige Standortbestimmung für die WM wird die Bremerin bereits vom 24. bis 26. August in Kazan erfahren dürfen. Beim World Challenge Cup in Russland dürfte die Konkurrenz groß sein, da die weltbesten Gymnastinnen anreisen werden. Bis dahin heißt es für Julia Stavickaja, ihre Übungen, die sie bei der deutschen Meisterschaft geturnt hat, zu verfeinern und auf Weltniveau zu bringen. „Das ist schon eine echte Generalprobe für die WM“, erklärt Bremens Vorzeigegymnastin. Verrückt machen will sie sich allerdings nicht. Dafür ist die Freude, doch noch auf den WM-Zug aufgesprungen zu sein, viel zu groß. Und die Motivation ist noch mal um einiges gestiegen, bei den Weltmeisterschaften in Sofia vom 7. bis 16. September eine gute Vorstellung abzuliefern. „Dabei ist die Platzierung nicht ganz so wichtig“, erklärt die 20-Jährige. „Ich will vor allem eins, wirklich sauber turnen, das ist mein großes Ziel.“ 

Dabei könnte es womöglich helfen, dass Julia Stavickaja schon zweimal während ihrer Karriere in der bulgarischen Hauptstadt geturnt hat. „Wenn ich die Hallen kenne, bin ich nicht so nervös.“

VON RUTH GERBRACHT
Weser-Kurier, Ausgabe 09.08.2018, Seite 27

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